29. März 2012

Schritt 3 - Die Sache mit der Interpunktion

Punkt, Komma, Strich, und ab und zu ein gepflegtes Semikolon sind für die meisten Autoren glücklicherweise kein Problem.

Ein bisschen anders sieht es für einige da schon mit der wörtlichen Rede aus, deshalb dreht sich mein heutiger Post um die richtige Interpunktion bei Dialogen (ein spannendes Thema, finde ich!).

Fangen wir bei den Grundlagen an, und denkt an Schritt 2: Das Gerede jeder neuen Person muss auf eine neue Zeile ;)

Grundsätzlich gilt: Das Gesagte gehört komplett in Anführungszeichen.

Beispiel: "Deine Mudda ist doof."

Sämtliche Variationen mit ? oder ! sowie angehängte Nebensätze oder Satzpartikel gehören ebenfalls in die Anführungszeichen.

Beispiel: "Deine Mudda ist doof, das sieht doch ne taube Nuss, Alder." 

Geht der wörtlichen Rede etwas voraus, wird das üblicherweise mit einem Doppelpunkt eingeleitet.

Beispiel: Manni sagte: "Deine Mudda ist doof."

Folgt der wörtlichen Rede etwas nach, ändern sich die Spielregeln.

Fall 1: Jemand sagt etwas in normaler Lautstärke. In diesem Fall gibt es KEIN Satzzeichen innerhalb der Anführungszeichen, sondern ein Komma DANACH. Das Satzzeichen folgt erst am Ende des vollständigen Satzes.

Beispiel: "Deine Mudda ist doof", sagte Manni.

Fall 2: Jemand fragt etwas. Hier steht das Satzzeichen wieder innerhalb der Anführungszeichen UND es folgt ein Komma. Am Ende des fertigen Satzes kommt ein Punkt.

Beispiel: "Ist deine Mudda doof?", fragte Manni.

Fall 3: Jemand schreit etwas. Es gilt die gleiche Regel wie bei Fall 2.

Beispiel: "Deine Mudda ist doof!", brüllte Manni.

Fall 4: Die wörtliche Rede wird unterbrochen und wieder aufgenommen.

a) Jemand sagt etwas in normaler Lautstärke. Siehe Fall 1, nur endet der Satz nicht zwingend mit einem Punkt, sondern die wörtliche Rede beginnt nach einem Komma und mit Kleinschreibung von neuem.

Beispiel: "Deine Mudda ist doof", sagte Manni, "genau wie dein Vadder."

Hinweis: Natürlich kann man die erste wörtliche Rede auch mit einem Punkt beenden, keine Frage. Das kommt ganz darauf an, was der Autor rüberbringen will.

Beispiel: "Deine Mudda ist doof", sagte Manni und goss sich neuen Kaffee ein. Er war teebraun und schmeckte furchtbar. Manni störte das nicht. Stattdessen fuhr er fort: "Genau wie dein Vadder."

b) Jemand fragt etwas. Siehe Fall 2. Ein Satzzeichen innerhalb der Anführungszeichen beendet zwingend den laufenden Satz. Die wörtliche Rede danach fängt wie ein neuer Satz an (also Großschreibung usw).

Beispiel: "Ist deine Mudda doof?", fragte Manni. "So doof wie dein Vadder?"

c) Jemand schreit etwas. Siehe b).

Beispiel: "Deine Mudda ist doof!", brüllte Manni. "So doof wie dein Vadder!"

Das war's auch schon wieder für heute. Ich hoffe, euch hängt die Grammatik nicht zum Hals raus! Wer es gerne noch etwas anschaulicher hätte, sollte in einen beliebigen Roman reinblättern und sich eine schöne, dialoglastige Stelle suchen. Früher oder später werden euch alle meine Fallbeispiele begegnen.

In diesem Sinne wünsche ich euch frohes Charakter-quatschen-lassen ;)

25. März 2012

Schritt 2 - Ent oder weder

Heute geht es nur um eine Kleinigkeit, über die sich viele Schreiberlinge aber nicht im Klaren sind. Besonders Anfänger oder Leute, die aus dem Fanfiction-Bereich ausbrechen und ein Original schreiben wollen, sind oft unentschlossen.

Die Frage ist: Freizeile oder normaler Absatz? (Und brauche ich überhaupt Absätze???)

Zuallererst: JA! Man braucht Absätze. Dringend. Absätze lockern das Textbild auf und verhindern, dass wir Kopfschmerzen beim Lesen bekommen.

Ein neuer Absatz kündigt einen Perspektivwechsel an, eine neue wörtliche Rede, oder manchmal auch Überraschungsmomente und poignante Stellen, die wir besonders hervorheben wollen. Drama, Baby, und so.

Besonders wichtig finde ich hierbei die neuen Absätze für wörtliche Rede. Manche Autoren schreiben ja hintereinander weg, alles in einen Block. Das Lesen wird dabei zur Qual, oder?

"Deine Mutter hasst mich", sagte A. "Das stimmt doch gar nicht!" A seufzte. "Und ob das stimmt. Sie hat den Messerblock nach mir geworfen." "Weil du sie eine vertrocknete alte Sumpfkuh genannt hast!", keifte B.

Schöner ist es so, wenn man gleich sieht, dass jemand Neues spricht:

"Deine Mutter hasst mich", sagte A.
"Das stimmt doch gar nicht!"
A seufzte. "Und ob das stimmt. Sie hat den Messerblock nach mir geworfen."
"Weil du sie eine vertrocknete alte Sumpfkuh genannt hast!", keifte B.

Und so weiter und so fort. Man könnte das auch noch weiterführen und Leerzeilen dazwischen packen. Bei Fanfictions ist es gang und gebe so zu arbeiten, damit das Lesen am Bildschirm leichter ist. Diese Angewohnheit überträgt sich häufig auf die ersten eigenen Gehversuche - auch bei mir, nur habe ich mir das mittlerweile abgewöhnt. Eine halbe Stunde lang Freizeilen zu löschen lehrt einen ein paar Dinge ;)

Damit will ich nicht sagen, dass Freizeilen für E-Books nicht praktisch sein können, da man sie mit Hilfe von Apps ebenfalls am Bildschirm liest, häufig auf Tablet PC oder Smartphones, die das Auge wegen des "Display-Glare" nach einer Weile anstrengen. Ich habe schon etliche E-Books gekauft und gelesen, die Freizeilen hatten, die Praxis ist also weit verbreitet.

Nichtsdestotrotz sehe ich das persönlich etwas anders. E-Reader sind viel kleiner als der durchschnittliche PC-Bildschirm, Freizeilen sind daher gar nicht notwendig und ziehen ein Dokument nur unnötig in die Länge, was Batteriesaft kosten kann. Dazu kommt noch, dass einige Verkaufsplattformen wie Amazon eine Übertragungsgebühr auf den Kaufpreis von E-Books aufschlagen. Diese variiert nach Größe des Dokuments. Je länger also ein Buch ist (und je teurer; ab 2,99€ geht das mit der Gebühr los, wenn ich richtig informiert bin), desto mehr muss der Kunde dafür bezahlen. Das kann im Einzelfall sogar Leser abschrecken. Über Strom denkt kaum jemand nach, wenn er ein E-Book kauft, aber über ein paar Extra-Cent schon.

Mein Tipp heute lautet also, eure Texte lieber im Blocksatz zu formatieren und die Lesbarkeit mit Erstzeileneinzügen zu gewährleisten. Den erstellt ihr, wenn ihr euren Text komplett markiert und dann oben im Lineal über der Seite auf das oberste Dreieck geht (es erscheint die Info "Erstzeileneinzug"). Zieht es ein wenig nach rechts, ca. einen halben Zentimeter oder wie weit ihr ihn auch immer setzen wollt - voilà, fertig ist die augenfreundliche Absatzeinrückung!

Bedenkt aber, dass bei Kapitelanfängen oder bei neuen Abschnitten kein Erstzeileneinzug hingehört. Schaut in jeden beliebigen Roman. Wenn er Erstzeileneinzüge hat , ist es dort garantiert auch so. Nehmt zum Beispiel Biss zum Morgengrauen. Ein kurzer Blick ins Buch bei Amazon genügt: Beispiel  :-) Diese Einrückung macht ihr rückgängig, indem ihr oben das selbe Dreieck einfach wieder zurückschiebt.

Und noch ein Tipp: Egal, ob ihr euch für Freizeilen oder Blocksatz entscheidet ... Kombiniert nicht beides miteinander. Wer Freizeilen benutzt, braucht keinen Erstzeileneinzug mehr. 

Viel Erfolg!

23. März 2012

Schritt für Schritt 1

Mir ist aufgefallen, dass viele neue und/oder junge Autoren mit der Formatierung ihrer Geschichten Probleme haben, ganz besonders wenn sie sie selbst herausbringen wollen (zB bei Amazon Kindle). Deshalb habe ich mich entschlossen, eine neue Seite auf meinem Blog zu diesem Thema einzurichten und so erste Hilfe zu leisten :-) Den ersten Schritt gibt es gleich hinterher, man kann schließlich nie früh genug anfangen, nicht wahr? Falls jemand Fragen hat, mailt mir oder schreibt einen Kommentar, ich werde versuchen, sie hier zu beantworten, wenn ich das kann.

Ein kleiner Hinweis: Ich erhebe keinen Anspruch auf Allwissenheit! Wenn ich etwas nicht weiß, werde ich versuchen es herauszufinden. Hier geht es außerdem um grundlegende Sachen, keine schicken Details. Für solche Dinge gibt es andere Blogs von Leuten, die wesentlich mehr Ahnung haben.

Schritt 1 - Das richtige Blatt Papier

Ich weiß. Ihr denkt jetzt sicher: "Wieso brauche ich das richtige Blatt Papier? Ich schreibe doch am PC."

Richtig, die meisten von uns tun das. Wir schreiben aber auch Notizen, und zwar nicht überall hin, wo wir Platz finden, sondern für gewöhnlich in uns genehme Notizbücher oder Hefte.

Warum sollte es also mit unserem Text-Dokument am Computer anders sein?

Wie ich in einem älteren Post schon mal geschrieben habe, ist das Schreiben eine sinnliche Erfahrung. Wir fühlen mit unseren Charakteren, wir erleben ihre Abenteuer und wir begleiten sie an Orte, die sie besuchen. Das richtige Blatt Papier kann uns helfen uns noch wohler dabei zu fühlen und deshalb ist es so wichtig.

Ich persönlich mag es zum Beispiel, meine Seiten mit einem schmalen Rand auszustatten (in Word 2007 geht das sehr einfach mit der Randeinstellung, die heißt direkt "schmal"). Die Seite selbst richte ich dann mit 19 cm Höhe und 12 cm Breite ein. Meine Schriftart ist Times New Roman und die Schriftgröße ist immer 12. Das sieht dann aus wie eine Taschenbuchseite. So habe ich immer gleich im Blick, wie lang meine Geschichten schon sind und  beinahe das Gefühl, in einem richtigen Buch zu blättern, wenn ich drin rumscrolle. Obwohl ich pro E-Book bin, ist das eine Sache, die mir wichtig ist, denn man weiß ja nie, was da noch kommen wird. ;-)

Jemand anders schreibt dagegen vielleicht lieber auf A4, oder ganz ohne Seitenansicht. Viele benutzen auch Normseiten (einen Download für eine Vorlage findet ihr HIER), damit sie ganz genau kontrollieren können, wie viele Buchseiten sie geschafft haben. Was immer einem am meisten hilft, ist richtig. Man kann den Text jederzeit in ein anderen Format bringen, also lasst euch nicht einreden, dass ihr Murks macht.

Viel Spaß beim Schreiben!

21. März 2012

Ideen-Overload

Okay, es ist mal wieder soweit.

Letztes Jahr wurde ich durch Fred Ink (der es wiederum von einem Freund hatte) auf die sogenannte "Indie-Revolution" aufmerksam gemacht. Der Spiegel schrieb über Amanda Hockings E-Book-Erfolg in den USA und plötzlich, nach ein paar sehr bedrückenden Monaten, ging bei mir das Inspirationslicht an.

Auf einmal gab es Möglichkeiten für meine Geschichten, doch noch Leser zu finden. Und zwar nicht nur für umsonst, sondern tatsächlich als "richtiges Buch"! Plötzlich zu wissen, dass man frei davon ist, einen Verlag von sich überzeugen und endlos lange auf Antworten warten zu müssen, war unglaublich. Ein Gefühl beinahe wie ein Rausch.

Ich hatte Glück, dass ich schon einige Geschichten auf der Festplatte liegen hatte. Ich brauchte sie nur aufpolieren, ein Cover zu basteln und mich wegen des Impressums und der richtigen Formatierung informieren. Alles kein Problem, im Vergleich zu oben genannten Hürden.

Nur wenig später veröffentlichte ich "Zigaretten" als E-Book, kurz darauf dann auch "Colette" und "Der Weihnachtsgast".

Aber damit hörte es nicht auf. Mit dem Frühling und dem Rausch der Freiheit kamen auch die halb ausgegorenen Story-Ideen aus ihren Löchern gekrochen, die ich schon halb verendet geglaubt hatte. Und nicht nur die, auch neue, vielversprechende Geistesblitze tauchten auf und trieben mich halb in den Autorenwahnsinn. Ich konnte nicht richtig schlafen, ich kam nicht zur Ruhe, teilweise war ich bis nach Mitternacht auf und habe wie wild Notizen geschrieben.

Das war 2011, und es war toll. Wie ein Karneval im Kopf - rasant, rauschend, bunt und schwindelerregend.

Vielleicht liegt es am Frühling, vielleicht will mir mein Kopf aber auch sagen, dass ich es endlich wieder richtig angehen soll, aber jetzt, ungefähr zu gleichen Zeit wie letztes Jahr, drehe ich wieder durch.

Ich kann nicht schlafen oder lange still sitzen (die Fahrigkeit ist wirklich furchtbar), ich bin zerstreut und kann doch nicht loslassen, wenn mich erst mal ein Gedanke richtig gepackt hat. Entspannung ist ein Fremdwort, da mein Kopf einfach nicht aufhören kann zu grübeln. Ich bin mir sicher, dass mein Hirn im Hintergrund irgendwelche mysteriösen Aufgaben ausführt, Inspirationspartikel verwertet, interessante Fakten, Namen und Eigenschaften von Leuten sammelt und irgendwann, wenn ich mich in einen halbluziden Zustand der Müdigkeit runtergewirtschaftet habe, eine fertige Story-Idee ausspuckt, die mir vorkommt wie eine Erleuchtung.

Es klingt ein bisschen verrückt, aber ich bin mir sicher, dass der eine oder andere von euch Schreiberlingen dieses Phänomen auch kennt. Und deshalb würde ich von euch gern wissen, wie viele Ideen ihr gerade jongliert. Ich brauche keine Storylines oder Charakternamen oder sonst etwas. Einfach nur die harten Fakten. Wie viele verschiedene Geschichten wollen als nächstes von euch geschrieben werden? Wie viele dieser kleinen Biester lassen euch nachts nicht schlafen?

Bei mir sind es 8, und je nach Tagesform hat ein anderes die Nase vorn :-)

15. März 2012

Kritzeleien

Endlich habe ich mal wieder Lust und Zeit zum Zeichnen gefunden und gleich jede Menge Zeug gemacht. Leider sind es bisher alles nur Skizzen, aber ich arbeite an einer kleinen Überraschung und hoffe, bald farbige Ergebnisse präsentieren zu können. Bis dahin könnt ihr euch auf den einzelnen Seiten zu meinen Geschichten umschauen, es wird sich da sicherlich öfter etwas ändern :-)

11. März 2012

Alles muss perfekt sein

Zumindest finden das viele, wenn es um Dienstleistungen und Waren geht.

Aber gilt das auch für Bücher?

Muss ein Buch so glatt poliert sein, dass es keine Ecken und Kanten mehr zu entdecken gibt? Sollte ein Autor jedes nur erdenkliche Füllwort streichen? Was ist mit langen Satzmonstern? Dürfen die geduldet werden, oder muss man sie zwingend kürzen und umformulieren?

Fragen über Fragen, die einen Autor zur Verzweiflung treiben und den Schreibfluss nachhaltig hemmen können (und ich weiß, wovon ich rede, ich hab das alles schon durchgemacht und bin in diesem Moment auch wieder fleißig am Vor-mir-herschieben-weil-ich-Angst-vorm-Versagen-habe *seufz*). Viele stimmen sogar sicherlich zu und meinen, dass das Buch, das man dem Leser anbietet, so perfekt wie möglich sein muss. Hier sei es mal dahingestellt, ob ein Verlag diesen Anspruch hat, oder ein Schreiberling im Alleingang - das Endprodukt muss glänzen, keine Frage.

Aber wer braucht diesen "Glanz" wirklich? Der Leser, der sein Geld in uns investiert und ein paar Stunden guter Unterhaltung dafür erwartet, oder doch eher der Autor, der nie mit sich zufrieden ist?

Welcher Autor hat schon mal dran gedacht, dass das, was für uns nicht perfekt ist, für einen Leser ein fantastisches Erlebnis sein kann? Eine Reise in eine Welt, die ihn vollkommen gefangen nimmt?

In meinen Anfangszeiten, als ich noch Fanfictions und sogenannte "Originale" schrieb (damals gab es Kindle und all seine Möglichkeiten noch nicht), fand ich Leser, die ungeduldig auf die nächsten Kapitel gewartet haben, die mir Mails geschickt und mir tolle Fragen zur Geschichte gestellt haben. War ich damals "perfekt"? Ganz sicher nicht! Im Gegenteil, wenn ich heute diese alten Sachen lese, rollen sich mir teilweise die Fußnägel hoch ... und dennoch haben diese Geschichten es geschafft, die Leser mitzunehmen und sogar zu begeistern.

Aber warum? Wieso schaffen diese Geschichten mit all ihren Wortwiederholungen, Füllwörtern, unmöglichen Satzkonstruktionen und seltsamen Formulierungen das, was ich mir heute wünschen würde? Wie kann es sein, dass etwas so Unperfektes so intensiv auf den Leser wirkt?

Ganz einfach: Ich bin der festen Überzeugung, dass Leser mit der Geschichte auf eine Art resonieren, die beinahe unabhängig von der Schreibe ist. Klar, niemand braucht Rechtschreibfehler oder nervige Formatierungspatzer - die gehören in der Tat rigoros ausgemerzt, aber was den Rest angeht, muss jemand schon sehr, sehr schlecht sein, um komplett abgelehnt zu werden. Das, worauf es wirklich ankommt ist die Begeisterung, mit der das Buch geschrieben wurde. Leser spüren das, sogar wenn der Schreibstil relativ nüchtern ist. Ihnen ist es wichtig, zu erleben.

Wenn die Erzählung so spannend ist, dass man im Kopf Bilder sieht, kümmert es niemanden, dass mal eine Formulierung ungeschickt ist, oder ein Satz zu lang oder zu kurz. Alles was zählt ist das Abenteuer. Wer kennt nicht dieses wonnige Gefühl eines kalten Schauers oder eines aufgeregten Prickelns? Und wer hat noch nicht vor seinem geistigen Auge weite Länder oder enge, belebte Gassen entstehen sehen? Wieviele von euch wünschen sich, einmal einem Romancharakter im wirklichen Leben begegnen zu können?

Schreiben ist ein wunderbares Handwerk, das viele Autoren sinnlich und aufregend finden, auch wenn es harte Arbeit ist. Lesen dagegen ist im Normalfall frei von Arbeit und Druck. Man will der Wirklichkeit entkommen und wartet nur darauf, fremde Orte und Menschen kennen zu lernen.

Interessiert es mich als Leser, wie lange ein Autor an dem Buch gesessen hat? Wohl kaum. In erster Linie interessiert mich die Geschichte. Erst danach mache ich mir Gedanken zum Stil und anderen Dingen, die den Autor und seine Arbeit betreffen. Perfektion bei Büchern ist sehr, sehr subjektiv, und deshalb sollten Autoren zwar ihr Bestes geben, aber sich nicht diktieren lassen, welche Stilmittel richtig oder falsch sind. Das kann von Geschichte zu Geschichte unterschiedlich sein. Was im Agententhriller angenehm knapp und schnörkellos ist, käme in einem Liebesroman gar nicht an.

Deshalb plädiere ich dafür, als Autor die Perfektion einmal beiseite zu lassen und erst einmal nur zu schreiben. Schreiben macht Spaß, es ist schön, und es erlaubt uns, unsere Träume und Ideen mit vielen anderen Menschen zu teilen. Selbst wenn der erste Entwurf noch Mängel hat, so kann man diese später korrigieren. Denkt nur dran, nicht alles von der ursprünglichen Vision wegzukürzen und herauszuschneiden. Erlaubt euch ein bisschen Freiheit und genießt es, individuell zu sein. Leser brauchen keinen hundertsten Abklatsch von Stephenie Meyer oder J.K. Rowling. Sie brauchen euch, für einen frischen Wind im Bücherhimmel :-)