Schritt für Schritt

Diese Seite soll allen Autoren helfen, die gerade erst mit dem Schreiben angefangen haben oder aber sich nicht viele Gedanken zur Formatierung ihrer Geschichten machen. In letzter Zeit bin ich wieder über einige Bücher gestolpert, die eine äußerliche Generalüberholung nötig hätten, und damit meine ich nicht das Cover.

Mit meinem kleinen "Leitfaden" zeige ich euch, wie ihr schnell und einfach die schlimmsten Formatierungsfallen umgeht. Sagt mir, ob es funktioniert oder ob etwas fehlt! Es ist immer Platz für einen Tipp mehr :-)


Ein kleiner Hinweis: Ich erhebe keinen Anspruch auf Allwissenheit! Wenn ich etwas nicht weiß, werde ich versuchen es herauszufinden. Hier geht es außerdem um grundlegende Sachen, keine schicken Details. Für solche Dinge gibt es andere Blogs von Leuten, die wesentlich mehr Ahnung haben.


Schritt 1 - Das richtige Blatt Papier

Ich weiß. Ihr denkt jetzt sicher: "Wieso brauche ich das richtige Blatt Papier? Ich schreibe doch am PC."

Richtig, die meisten von uns tun das. Wir schreiben aber auch Notizen, und zwar nicht überall hin, wo wir Platz finden, sondern für gewöhnlich in uns genehme Notizbücher oder Hefte.

Warum sollte es also mit unserem Text-Dokument am Computer anders sein?

Wie ich in einem älteren Post schon mal geschrieben habe, ist das Schreiben eine sinnliche Erfahrung. Wir fühlen mit unseren Charakteren, wir erleben ihre Abenteuer und wir begleiten sie an Orte, die sie besuchen. Das richtige Blatt Papier kann uns helfen uns noch wohler dabei zu fühlen und deshalb ist es so wichtig.

Ich persönlich mag es zum Beispiel, meine Seiten mit einem schmalen Rand auszustatten (in Word 2007 geht das sehr einfach mit der Randeinstellung, die heißt direkt "schmal"). Die Seite selbst richte ich dann mit 19 cm Höhe und 12 cm Breite ein. Meine Schriftart ist Times New Roman und die Schriftgröße ist immer 12. Das sieht dann aus wie eine Taschenbuchseite. So habe ich immer gleich im Blick, wie lang meine Geschichten schon sind und  beinahe das Gefühl, in einem richtigen Buch zu blättern, wenn ich drin rumscrolle. Obwohl ich pro E-Book bin, ist das eine Sache, die mir wichtig ist, denn man weiß ja nie, was da noch kommen wird. ;-)

Jemand anders schreibt dagegen vielleicht lieber auf A4, oder ganz ohne Seitenansicht. Viele benutzen auch Normseiten (einen Download für eine Vorlage findet ihr HIER), damit sie ganz genau kontrollieren können, wie viele Buchseiten sie geschafft haben. Was immer einem am meisten hilft, ist richtig. Man kann den Text jederzeit in ein anderen Format bringen, also lasst euch nicht einreden, dass ihr Murks macht.

Schritt 2 - Ent oder weder

Heute geht es nur um eine Kleinigkeit, über die sich viele Schreiberlinge aber nicht im Klaren sind. Besonders Anfänger oder Leute, die aus dem Fanfiction-Bereich ausbrechen und ein Original schreiben wollen, sind oft unentschlossen.

Die Frage ist: Freizeile oder normaler Absatz? (Und brauche ich überhaupt Absätze???)

Zuallererst: JA! Man braucht Absätze. Dringend. Absätze lockern das Textbild auf und verhindern, dass wir Kopfschmerzen beim Lesen bekommen.

Ein neuer Absatz kündigt einen Perspektivwechsel an, eine neue wörtliche Rede, oder manchmal auch Überraschungsmomente und poignante Stellen, die wir besonders hervorheben wollen. Drama, Baby, und so.

Besonders wichtig finde ich hierbei die neuen Absätze für wörtliche Rede. Manche Autoren schreiben ja hintereinander weg, alles in einen Block. Das Lesen wird dabei zur Qual, oder?

"Deine Mutter hasst mich", sagte A. "Das stimmt doch gar nicht!" A seufzte. "Und ob das stimmt. Sie hat den Messerblock nach mir geworfen." "Weil du sie eine vertrocknete alte Sumpfkuh genannt hast!", keifte B.

Schöner ist es so, wenn man gleich sieht, dass jemand Neues spricht:

"Deine Mutter hasst mich", sagte A.
"Das stimmt doch gar nicht!"
A seufzte. "Und ob das stimmt. Sie hat den Messerblock nach mir geworfen."
"Weil du sie eine vertrocknete alte Sumpfkuh genannt hast!", keifte B.

Und so weiter und so fort. Man könnte das auch noch weiterführen und Leerzeilen dazwischen packen. Bei Fanfictions ist es gang und gebe so zu arbeiten, damit das Lesen am Bildschirm leichter ist. Diese Angewohnheit überträgt sich häufig auf die ersten eigenen Gehversuche - auch bei mir, nur habe ich mir das mittlerweile abgewöhnt. Eine halbe Stunde lang Freizeilen zu löschen lehrt einen ein paar Dinge ;)

Damit will ich nicht sagen, dass Freizeilen für E-Books nicht praktisch sein können, da man sie mit Hilfe von Apps ebenfalls am Bildschirm liest, häufig auf Tablet PC oder Smartphones, die das Auge wegen des "Display-Glare" nach einer Weile anstrengen. Ich habe schon etliche E-Books gekauft und gelesen, die Freizeilen hatten, die Praxis ist also weit verbreitet.

Nichtsdestotrotz sehe ich das persönlich etwas anders. E-Reader sind viel kleiner als der durchschnittliche PC-Bildschirm, Freizeilen sind daher gar nicht notwendig und ziehen ein Dokument nur unnötig in die Länge, was Batteriesaft kosten kann. Dazu kommt noch, dass einige Verkaufsplattformen wie Amazon eine Übertragungsgebühr auf den Kaufpreis von E-Books aufschlagen. Diese variiert nach Größe des Dokuments. Je länger also ein Buch ist (und je teurer; ab 2,99€ geht das mit der Gebühr los, wenn ich richtig informiert bin), desto mehr muss der Kunde dafür bezahlen. Das kann im Einzelfall sogar Leser abschrecken. Über Strom denkt kaum jemand nach, wenn er ein E-Book kauft, aber über ein paar Extra-Cent schon.

Mein Tipp heute lautet also, eure Texte lieber im Blocksatz zu formatieren und die Lesbarkeit mit Erstzeileneinzügen zu gewährleisten. Den erstellt ihr, wenn ihr euren Text komplett markiert und dann oben im Lineal über der Seite auf das oberste Dreieck geht (es erscheint die Info "Erstzeileneinzug"). Zieht es ein wenig nach rechts, ca. einen halben Zentimeter oder wie weit ihr ihn auch immer setzen wollt - voilà, fertig ist die augenfreundliche Absatzeinrückung!

Bedenkt aber, dass bei Kapitelanfängen oder bei neuen Abschnitten kein Erstzeileneinzug hingehört. Schaut in jeden beliebigen Roman. Wenn er Erstzeileneinzüge hat , ist es dort garantiert auch so. Nehmt zum Beispiel Biss zum Morgengrauen. Ein kurzer Blick ins Buch bei Amazon genügt: Beispiel  :-) Diese Einrückung macht ihr rückgängig, indem ihr oben das selbe Dreieck einfach wieder zurückschiebt.

Und noch ein Tipp: Egal, ob ihr euch für Freizeilen oder Blocksatz entscheidet ... Kombiniert nicht beides miteinander. Wer Freizeilen benutzt, braucht keinen Erstzeileneinzug mehr.


Schritt 3 - Die Sache mit der Interpunktion


Punkt, Komma, Strich, und ab und zu ein gepflegtes Semikolon sind für die meisten Autoren glücklicherweise kein Problem.

Ein bisschen anders sieht es für einige da schon mit der wörtlichen Rede aus, deshalb dreht sich mein heutiger Post um die richtige Interpunktion bei Dialogen (ein spannendes Thema, finde ich!).

Fangen wir bei den Grundlagen an, und denkt an Schritt 2: Das Gerede jeder neuen Person muss auf eine neue Zeile ;)

Grundsätzlich gilt: Das Gesagte gehört komplett in Anführungszeichen.

Beispiel: "Deine Mudda ist doof."

Sämtliche Variationen mit ? oder ! sowie angehängte Nebensätze oder Satzpartikel gehören ebenfalls in die Anführungszeichen.

Beispiel: "Deine Mudda ist doof, das sieht doch ne taube Nuss, Alder." 

Geht der wörtlichen Rede etwas voraus, wird das üblicherweise mit einem Doppelpunkt eingeleitet.

Beispiel: Manni sagte: "Deine Mudda ist doof."

Folgt der wörtlichen Rede etwas nach, ändern sich die Spielregeln.

Fall 1: Jemand sagt etwas in normaler Lautstärke. In diesem Fall gibt es KEIN Satzzeichen innerhalb der Anführungszeichen, sondern ein Komma DANACH. Das Satzzeichen folgt erst am Ende des vollständigen Satzes.

Beispiel: "Deine Mudda ist doof", sagte Manni.

Fall 2: Jemand fragt etwas. Hier steht das Satzzeichen wieder innerhalb der Anführungszeichen UND es folgt ein Komma. Am Ende des fertigen Satzes kommt ein Punkt.

Beispiel: "Ist deine Mudda doof?", fragte Manni.

Fall 3: Jemand schreit etwas. Es gilt die gleiche Regel wie bei Fall 2.

Beispiel: "Deine Mudda ist doof!", brüllte Manni.

Fall 4: Die wörtliche Rede wird unterbrochen und wieder aufgenommen.

a) Jemand sagt etwas in normaler Lautstärke. Siehe Fall 1, nur endet der Satz nicht zwingend mit einem Punkt, sondern die wörtliche Rede beginnt nach einem Komma und mit Kleinschreibung von neuem.

Beispiel: "Deine Mudda ist doof", sagte Manni, "genau wie dein Vadder."

Hinweis: Natürlich kann man die erste wörtliche Rede auch mit einem Punkt beenden, keine Frage. Das kommt ganz darauf an, was der Autor rüberbringen will.

Beispiel: "Deine Mudda ist doof", sagte Manni und goss sich neuen Kaffee ein. Er war teebraun und schmeckte furchtbar. Manni störte das nicht. Stattdessen fuhr er fort: "Genau wie dein Vadder."

b) Jemand fragt etwas. Siehe Fall 2. Ein Satzzeichen innerhalb der Anführungszeichen beendet zwingend den laufenden Satz. Die wörtliche Rede danach fängt wie ein neuer Satz an (also Großschreibung usw).

Beispiel: "Ist deine Mudda doof?", fragte Manni. "So doof wie dein Vadder?"

c) Jemand schreit etwas. Siehe b).

Beispiel: "Deine Mudda ist doof!", brüllte Manni. "So doof wie dein Vadder!"

Das war's auch schon wieder für heute. Ich hoffe, euch hängt die Grammatik nicht zum Hals raus! Wer es gerne noch etwas anschaulicher hätte, sollte in einen beliebigen Roman reinblättern und sich eine schöne, dialoglastige Stelle suchen. Früher oder später werden euch alle meine Fallbeispiele begegnen.

In diesem Sinne wünsche ich euch frohes Charakter-quatschen-lassen ;)